Wallfahrts-Legende von St. Salvator zu Bettbrunn

Bettbrunn liegt auf einer Lichtung im Köschinger Forst in Oberbayern. In der Mitte der Lichtung befindet sich die Wallfahrtskirche Sankt Salvator mit einem hohen, die ganze Gegend beherrschenden Turm. An der Stelle, wo jetzt Dorf und Kirche steht, war vor alter Zeit nur ein einzelner Bauernhof, Viehbrunn genannt, weil daneben eine Quelle war, die zum Tränken des Viehes benützt wurde.  Der Viehhirt dieses Bauernhofes war ein frommer Mann, der eine besondere Andacht zum allerheiligsten Sakrament hatte. Diese Andacht konnte er aber nicht oft pflegen, weil die Pfarrkirche, zu der der Hof gehörte, sich in dem eineinhalb Stunden entfernten Dorf Tholling  befand. Da kam er in seiner Einfalt auf den Gedanken, eine geweihte Hostie mit sich zu nehmen. Bei der Osterkommunion führte er den Gedanken aus. Als er kommuniziert hatte, nahm er heimlich die heilige Hostie aus dem Mund, wickelte sie in ein Tuch, steckte sie in seine Hirtentasche und trug sie nach Hause, um sie besonders zur Sommerzeit, wo er mit seinem Vieh oft den ganzen Tag im dichten Wald zubringen musste, zur Pflege seiner Andacht zu verwenden, besonders, wenn das Vieh wohl genährt in der heißen Mittagszeit unter dem Schatten der Eichen und Buchen ausruhte. Zu diesem frommen Zweck hatte sich der gute Hirt einen besonderen Stock ausersehen, in ihn am oberen Ende eine runde Öffnung eingeschnitzt, dahinein die heilige Hostie gelegt und so befestigt, dass sie nicht herausfallen konnte. Den Stock trug er immer bei sich und wenn das Vieh ruhte, dann steckte er ihn in den Boden, warf sich vor den Allerheiligsten nieder auf die Knie und betete es mit glühender Andacht an. Einmal aber geschah es, dass er das Vieh, das von der bestimmten Weide sich entfernt hatte, mit dem Hirtenstock zurücktreiben wollte. In der Eile aber nahm er statt des eigentlichen Hirtenstockes den Stock mit der heiligen Hostie und warf ihn nach dem Vieh. Da aber fiel das Heiligtum heraus und als er es aufheben wollte, vermochte er es nicht. In seiner Angst erzählte er alles dem Pfarrer von Tholling, der aber ebenso wenig die heilige Hostie vom Boden aufheben konnte. Dieser berichtete nun das wunderbare Ereignis dem damaligen Bischof von Regensburg, Hartwich, der darauf mit seiner Geistlichkeit an Ort und Stelle kam. Erst als er das Gelübde machte, hier eine Kapelle zu bauen, konnte er das heiligste Sakrament nun aufheben. Der Bischof ließ sogleich eine Kapelle aus Holz erbauen und darin die heilige Hostie aufbewahren. Dies geschah im Jahre 1125.

Als nun die Sache unter dem Volk bekannt wurde, zogen aus der Nähe und Ferne viele Gläubige herbei, deren Zahl sich jährlich mehrte. Bald entstand ein Dorf, das den Namen Bettbrunn erhielt. Die heilige Hostie verblieb in der Kapelle bis zum Jahre 1330. Um diese Zeit wurde die Kapelle durch einen Brand zerstört, und auch die Hostie ging bei diesem Unglück verloren. Man baute nun eine neue Kirche uns stellte die beim Brand unversehrt gebliebene Bildsäule des Erlösers (Salvator) zur Verehrung darin auf.